Klara auf der Buchmesse 2018

Da ich das große Glück hatte, mit meinem Fachbesucher-Ticket am Freitag (12.10.) die Frankfurter Buchmesse 2018 zu besuchen, möchte ich natürlich über dieses kulturelle Highlight des Jahres berichten. Mein Tag sah ungefähr so aus: Ich bin von einem Interview oder Lesung zur nächsten gerannt, um möglichst viele Autoren zu sehen. Meine absoluten Highlichts: Juli Zeh & ein originaler Grüffelo mit Widmung. Lest hier meinen Bericht in absoluter Kürze. Natürlich könnte ich über jedes einzelne Interview ewig schreiben, aber das wollt ihr sicher nicht lesen…

Freitag 12.10.2018: 9.45 Uhr Noch schnell durch die Taschenkontrolle & ab in Halle 3

Etwas später als erhofft, aber dafür früher als befürchtet, lässt mein Lieblingsmann, der mich extra nach Frankfurt gefahren hat, mich vor der Messe raus. Von diesem Moment an heißt es: Mama alleine unterwegs. Mich beschleicht das Gefühl einer kleinen Freiheit & das Bedürfnis, alles was ich heute erlebe, so gut es geht aufzusaugen.

Andererseits ist es auch immer etwas merkwürdig, wenn man unterwegs beide Hände frei hat und keine Tonnen von Snacks, Trinkflaschen, Wechselklamotten, Windeln etc. dabei hat. So, jetzt aber schnell weiter, durch die Taschenkontrolle und ab in Halle 3, damit ich wenigstens noch das Interview mit Frank Thelen bei der Süddeutschen Zeitung schaffe. Ah, Frank Thelen hat es auch eilig und rennt einen Rollkoffer schiebend an mir vorbei.

10.00 Uhr: Interview Frank Thelen

Frank Thelen auf der Buchmesse 2018

Der vor allem durch die VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“ bekannte Investor Frank Thelen lässt es sich nicht nehmen, ein Buch herauszubringen. Daher ist er auf dieser Buchmesse ständig in irgendwelchen Interviews zu sehen. In seiner Autobiografie „Startup-DNA“ berichtet er über seine ersten Misserfolge und seinen Weg zum erfolgreichen Investor.

Dadurch, dass ich kaum eine Folge von „Höhle der Löwen“ verpasst habe, kommt mir Herr Thelen vor, als würde ich ihn schon ewig kennen. Er sieht live zumindest genauso aus wie im Fernsehen. Das Interview ist wirklich kurzweilig und Thelens Art ist spritzig & mitreißend. Ein Zitat von ihm beschäftig mich aber noch länger. In Bezug auf die Flugtaxis, in deren Entwicklung er jüngst investierte sagt er:

„Nur mit absoluter Innovation können wir diesen Planeten noch retten.“ Frank Thelen

Erst leuchtet mir das ein. Später aber frage ich mich, ob es für den Planeten nicht besser wäre, wenn die Menschheit einfach mal einen Schritt zurück gehen würde. Naja, das will ich an dieser Stelle lieber nicht weiter ausdiskutieren.

Frank Thelen – Die Autobiografie: Startup-DNA – Hinfallen, aufstehen, die Welt verändern (Amazon)*

10.30 Uhr: Selfpublishing Bühne: „Wie Sie ein erfolgreiches Buch schreiben“

Weil ich schon seit längerem selbst ständig an einem bzw. mehreren Büchern schreibe, hat ein super Vortragstitel mich zur Selfpublishing Bühne gelockt: „Wie Sie ein erfolgreiches Buch schreiben: Ein Verlagsleiter packt aus“. Leider war der Vortrag so oberflächlich und noch dazu akkustisch schlecht zu verstehen, dass ich die Zeit dann doch lieber nutzen wollte, um mir mal die Beine zu vertreten. Denn, dass ein Buch nur geschrieben werden sollte, wenn es für jemanden relevant ist, das kann ich mir irgendwie gerade noch selbst zusammenreimen.

Das Publikum hier war allerdings sehr interessant und sehr gothic-lastig. Wahrscheinlich lag es an der Lage der Bühne zwischen all den Science-Fiction-Ständen oder weil einfach viele im Selfpublishing-Verlag ihre Drachentöterromane veröffentlichen (was absolut nicht böse gemeint, nur halt nicht mein Genre ist).

11.00 Uhr: Noa C. Walker: Lesung „Der Klang deiner Liebe“

Noa C. Walker auf der Buchmesse 2018

Punkt 11 Uhr sitze ich auf einem kleinen Papphöckerchen zwischen wenig anderen Frauen vor einer kleinen Bühne, auf der Noa C. Walker (jeder, der mit einem Kindle die Amazon-Liebesromane liest, kennt sie) aus ihrem neuesten Roman liest. Dieser ist noch nicht einmal erschienen, weshalb sie einen Berg Zettel präsentiert.

Die Lektorin von Tinte & Feder finde ich total ansprechend. Sie moderiert die Autorin spritzig und inspirierend an & scheint ganz viel Spaß an ihrer Arbeit zu haben (sodass ich mich frage, wie man eigentlich Lektorin wird?). Die Lesung von Noa C. Walker dagegen ist weniger spritzig, wenngleich der Plot des neuen Romans eigentlich vielversprechend ist. Die detailgetreuen Beschreibungen sind allerdings etwas zu ausschweifend.

Noa C. Walker: Der Klang deiner Liebe (Amazon)*

11.30Uhr: Jonas Jonasson: „Der Hundertjährige, der zurück kam, um die Welt zu retten“

Jonas Jonasson auf der Buchmesse 2018

Wer kennt ihn nicht, den Hundertjährigen? Daher findet das Interview mit dem schwedischen Autor Jonas Jonasson auch auf der großen ARD Bühne statt. Zum ersten Mal verlasse ich die Halle 3 und komme ins Forum, das von ARD dominiert wird.

Auf dem Weg gönne ich mir noch schnell einen gar nicht mal soo überteuerten Milchkaffe, von dem ich natürlich erstmal die Hälfte auf dem ARD-Teppich verschütte. Natürlich…Zum Glück hat es keiner gesehen, weil alle viel zu beschäftigt sind. Mit sich oder ihren Smartphones…

Jonas Jonasson wird interviewt von Denis Scheck. Die beiden sind ein witziges Team und sorgen für eine amüsante kurzweilige Zeit. Ich bekomme richtig Lust, das neue Buch zu lesen. Es scheint auf humoristische Weise die politischen Verhältnisse unserer Zeit aufzuarbeiten. Auch Merkel kommt darin vor und wird als eine alte Eiche beschrieben, die jedem Sturm trotzt. Warum, fragt der Moderator. Woraufhin der Autor mit meinem Lieblingszitat antwortet:

„Frau Merkel ist das Gegenteil vom Internet“. Jonas Jonasson

Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten (Amazon)*

12 Uhr: Eeeendlich: Juli Zeh im Interview über „Neujahr“

Juli Zeh auf der Buchmesse 2018

Jetzt aber schnell von der ARD-Bühne zum SPIEGEL-Stand rennen, um endlich Juli Zeh zu sehen. Naja, wenn man zumindest ein Stück ihrer Frisur sehen kann, ist man schon gut dran. Natürlich ist der viel zu kleine Stand total überlaufen. Jeder will Juli Zeh sehen.
Ich bin sehr begeistert von ihrer unaufgeregten, selbstironischen Art. Sie destabilisiert gängige Rollenklischees und bezeichnet sich selbst als die Ernährerin der Familie, weshalb sie sich selbst besser mit dem männlichen Prinzip identifizieren kann. Tausend Pluspunkte mehr an eine meiner liebsten Autorinnen.

Ihr neuer Roman „Neujahr“ war nicht geplant, sondern kam einfach so aus ihr heraus. Er handelt davon, wie ein Geschwisterpaar tagelang auf einer Insel alleine ist. Mich hat sie sehr neugierig gemacht & das wird auf jeden Fall eines meiner nächsten Bücher sein, die ich abends heimlich mit meiner Stirnlampe im Bett lese.

Juli Zeh: Neujahr (Amazon)*

13 Uhr: Interview mit Karen Duve zu „Fräulein Nettes kurzer Sommer“

Karen Duve auf der Buchmesse 2018

Ganz anders scheint auch das neue Buch von Karen Duve einen feministischen Touch zu haben. Sie erzählt die Geschichte von Anette von Droste-Hülshoff, die zwischen zwei Männern stand und anschließend als Ehefrau unbrauchbar war. Dabei hat die Autorin versucht, auch die Sprache der Romantik zu imitieren. Davon bin ich ein sehr großer Fan. Auch bekannte historische Figuren wie die Gebrüder Grimm spielen in dem Buch eine Rolle. Also auch dieses Buch kommt auf meine Leseliste.

Karen Duve: Fräulein Nettes kurzer Sommer (Amazon)*

13.30 Uhr: Bodo Kirchoff über „Dämmer & Aufruhr“

Meinem Papa zu Liebe, der sich mir inzwischen angeschlossen hat, gehe ich zu Bodo Kirchoff. Dieser sitzt vor ein paar wenigen Leuten am Stand der Frankfurter Rundschau. Er trägt eine Sonnenbrille und muffelt ein bisschen was vor sich hin in ein Mikro. Damit sammelt er bei mir nicht unbedingt Sympathiepunkte. Ich mag ja eigene Menschen, Eigenbrötler, Querdenker, introvertierte Personen…aber der ist mir dann doch etwas zu eigen. Mich wundert jetzt zumindest nicht mehr, dass ich mit seinen Büchern noch nie so richtig etwas anfangen konnte. Das Herz liest schließlich mit. Aber ich muss zugeben, dass ich bei ein paar seiner Antworten dann doch auch ins Schmunzeln gerate. Alles nur Show oder doch nur ein mürrischer alter Mann?

Bodo Kirchoff: Dämmer und Aufruhr (Amazon)*

14 Uhr: Julia Shaw „Böse“

Julia Shaw hat sich in meiner Agenda dann irgendwie dazwischengeschoben. Ich hatte vorher nichts von ihr gehört, nur ein paar Tage vor der Buchmesse dann ein Interview mit ihr über ihr Buch „Böse“ gelesen. Deswegen bin ich dann doch noch ganz schnell zum SZ-Stand gerannt, um sie zu sehen. Leider muss ich sagen, dass die Autorin gar nicht so meins ist. Mir war der Präsentation etwas zu oberflächlich und irgendwie zu amerikanisch. Als Julia Shaw dann übertrieben fröhlich und quietschend das Phänomen „cute aggression“ erklärte, musste ich mich leider dann umdrehen und das Weite suchen. Ich glaube nicht, dass man auf diese populärwissenschaftliche Art einen so großen Begriff wie „Böse“ klären kann – vor allem nicht mit Fragen wie

„Würden Sie Hitler als Baby töten?“ Julia Shaw

Trotzdem finde ich das Thema sehr spannend und werde daher vielleicht trotzdem einen Blick ins Buch werfen. Ich mochte nämlich auch schon gerne „Psychopathinnen. Die Psychologie des weiblichen Bösen“ von Lydia Benecke.

Julia Shaw: Böse (Amazon)*

14.20Uhr: Axel Scheffler zeichnet mir einen Grüffelo für meine Kinder

Signatur mit Original Grüffelo von Axel Scheffler

Der schnelle Abgang bei Julia Shaw ermöglichte mir dafür noch einen ganz besonderen Glücksgriff. Einen Gang weiter hatte gerade Axel Scheffler (der Zeichner von Grüffelo) eine Signierstunde. Da könnte ich ein wunderschönes neues Kinderbuch „Die Flöhe in der Oper“ mit einer Original-Zeichnung von Axel Scheffler ergattern. Natürlich mit einer Widmung für meine zwei kleinen Schätze.

14.30: Nino Haratischwili: „Die Katze & der General“

Nino Haratischwili auf der Buchmesse 2018

Die georgische Autorin Nino Haratischwili war auf der Shortlist für den deutschen Buchpreis und eigentlich hätte ich sie damals schon bei einer Lesung im Schauspielhaus Frankfurt sehen sollen, leider hatte sie damals aber abgesagt. Das wollte ich nun nachholen. Das dachten sich anscheinend viele, denn als wir am FAZ-Stand ankamen, standen die Zuschauer schon überall in den Gängen (sodass es sogar Ärger von einem schlechtgelaunten Security-Mann gab, was ich total affig fand).
In dem Buch „Die Katze & der General“ gibt es entgegen der Annahme aufgrund des Titels drei Hauptfiguren. Warum die Krähe dann nicht auch im Titel vorkäme? Die Autorin mit dem schwierigen Namen antwortete ehrlich, dass die Krähe als Figur erst später dazukam, um eine westliche Perspektive einzunehmen. Da sie sich zu dieser Zeit aber schon an den Titel gewöhnt hatte, wollte sie ihn nicht mehr ändern.

„Es gibt keine Bücher über Oligarchen.“ Nino Haratischwili

Nino Haratischwili: Die Katze und der General (Amazon)*

15.00 Uhr: Maria Cecila Barbetta: „Nachtleuchten“

Maria Cecila Barbetta auf der Frankfurter Buchmesse 2018

Ich bin ein großer Fan von Maria Cecila Barbetta, weil sie mit ihrem sympathischen Akzent so wunderschön erzählt. Es macht riesige Freude ihr zuzuhören, wie sie mit Begeisterung die Figuren und Orte aus ihrem Buch „Nachtleuchten“ erklärt. Bei der Lesung der Nominierten der Shortlist für den deutschen Buchpreis hatte ich sie schon einmal gesehen und gehört (Schade, dass sie nicht gewonnen hat). Nichtsdestotrotz wollte ich mir das Interview auf der Buchmesse auch nicht entgehen lassen.

Schade war hier, dass der Interviewer immer etwas getrieben war und mehr von sich selbst erzählen wollte. Leider hat er sie dann nicht mehr die schönste Stelle aus dem Buch lesen lassen, nämlich von dem Autormechaniker in seiner Autowerkstatt Autopia. Hier zeigt die Autorin wie kunstfertig sie mit der deutschen Sprache umgehen kann – wirklich amüsant.

„Freiheit aushalten.“ Maria Cecila Barbetta

Maria Cecilia Barbetta: Nachtleuchten (Amazon)*

Mein Fazit zur Frankfurter Buchmesse 2018

Der Besuch der Frankfurter Buchmesse hat mich auf jeden Fall überglücklich gemacht. Hier fühle ich mich zuhause. Und man kann in so kurzer Zeit so viele tolle Leute & Bücher sehen & hören. Ich hoffe, ich konnte euch in dem kurzen Überblick die wichtigsten Informationen, die ich erhalten habe, weitergeben. Es waren ja alles nur kleine „Literatur-Häppchen“.

Zum Bücher Stöbern kam ich leider nicht wirklich. Das Programm war einfach zu gut. Mir war es dann lieber, so viele Lesungen und Interviews wie möglich zu sehen. Denn die meisten Bücher kann man ja bald in den Buchhandlungen anschauen.

Nichtsdestotrotz habe ich jetzt wieder eine ziemlich lange Leseliste. Habt ihr schon eines der Bücher gelesen?

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3 KOMMENTARE

  1. Oh, wow. Und ich dachte, ich hätte ein volles Programm gehabt. 😉
    Deine Frage, wie man Lektorin wird, kann ich dir zumindest aus meiner Warte beantworten, Klara: Viele, die ich kenne, haben etwas studiert, was mit Sprachen zu tun hatte. Bei mir war es z. B. Übersetzen. Und wenn man dann sowieso schon mit Büchern zu tun hat, ergibt es sich eben bei manchen, dass sie dann auch mal was korrigieren, feststellen, dass das sehr viel Spaß macht – und schwupps, bildet man sich dann weiter zur Lektorin (ich hatte dazu nie ein Seminar besucht, aber ganz viele Bücher gelesen – die besten empfehle ich in meinen FAQ unter „Lektorat“, falls es dich interessiert: https://www.sandra-schindler-schreibt.de/faq/). 🙂

    Es gibt aber auch immer wieder Quereinsteiger ohne entsprechenden Hintergrund. Wer als Lektorin erfolgreich sein will, braucht meiner Meinung nach 3 Dinge: Talent, um eine entsprechende Qualität zu liefern, Liebe zu Büchern, denn das setzt die Liebe zum Job voraus – und Ausdauer, denn mit Jobangeboten wird man nicht von heute auf morgen überrannt, sondern es dauert. Ich habe z. B. 6 Jahre im Beruf gearbeitet, ehe unser Bestseller „Dem Horizont so nah“ den Markt eroberte. 🙂

    • Liebe Sandra,
      danke für deine Antwort und deinen Hinweis auf die FAQ zum Lektorat. Dann habe ich als Germanistin ja gute Chancen 😉
      Ich wusste garnicht, dass du die Lektorin von „Dem Horizont so nah“ warst. Das habe ich zufälligerweise sogar gelesen – wie viele der Amazon-Bestseller. Die kann man nämlich so gut mit der Kindle-App lesen, während man stundenlang bei den einschlafenden Kindern liegt 😉

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